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Quelle: https://www.pexels.com/
Rainer Pollmann

Rainer Pollmann

Excel ist immer schuld!

Falsche Ergebnisse irgendwo? Excel ist schuld! In den letzten Tagen publizieren Medien wieder Beiträge, in denen Excel-Modelle als Ursache für Pleiten, Pech und Pannen genannt werden. Mitte August berichtet die Süddeutsche Zeitung von Pannen bei den Corona-Tests an den bayerischen Grenzen in Excel-Tabellen erfasst wurden und es zu fehlerhaften Erfassungen kam.

Ursache:
Die Teststellen an den Grenzen wurden „über Nacht“ eingerichtet, es musste improvisiert werden und dann kam es zu unerwartet vielen Urlaubsrückkehrern. Die medizinischen , ehrenamtlichen Hilfsdienste waren mit dem Ansturm schlichtweg überfordert und der Prozess war nicht digitalisiert. Diese Situation war auf die politischen Entscheider zurückzuführen. Aber: Excel war schuld!

Am 9.8.2020 berichtet ebenfalls die Süddeutsche Zeitung, dass 27 menschliche Gene umbenannt werden, da tausende Fachartikel Fehler enthalten: Microsoft Excel formatiert  einige Gen Namen bei der Eingabe automatisch als Datumsangaben. „Ein Kniefall vor der Software?“,  fragt die Süddeutsche Zeitung. Vielleicht erinnern Sie sich an unseren BLOG-Beitrag aus dem Januar 2017, in dem wir auf diese in verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen beschriebene Erkenntnis hingewiesen haben. Hier wurden explizit bereits Lösungen und die mangelnden Kenntnisse der Anwender als Ursache genannt.
Aber: Excel war schuld!

Vor zwei Jahren wurde ein Schweizer Polizist wegen Betrugs verhaftet, wieder war Excel im Spiel!

Ich wollte noch schreiben, das wahrscheinlich auch noch Excel die Schuld am Wirecard-Betrug zugeschrieben wird. Zum Glück habe ich gegoogelt:
Die Süddeutsche Zeitung berichtete 2019 über die Recherchen der Financial Times und einem Betrugsverdacht. Der Bericht stützt sich im Wesentlichen auf drei Excel-Tabellen, E-Mails und Chat-Protokolle von Mitarbeitern aus der Finanzbuchhaltung des Zahlungsanbieters.

Was entnehmen wir diesen Meldungen? Eigentlich ist nicht Excel schuld, sondern die Art und Weise seines Einsatzes sowie die Kenntnisse der Anwender!
Das Problem ist nicht Excel, sondern der Aufbau  der Modelle und der Einsatz bestimmter Excel-Techniken, bzw. nicht der Einsatz vorteilhafter Excel-Techniken.

„Sehr gute Excel Kenntnisse sind Voraussetzung“, heißt es in den meisten Stellenausschreibungen für Controller. Wie sind sehr gute Excel-Kenntnisse zu definieren? Heißt das, Controller sollten VBA beherrschen? Oder vielmehr die Pivot-Tabelle, Funktionen a lá SVERWEIS & Co.? Oder sind hier Skills in den „neuen“ Power Tools von Microsoft erwünscht?

Oder sollte das Merkmal „Sehr gut“ vielleicht eher über die Bedeutung von Excel für das Controlling des Unternehmens definiert werden?
Gibt es ein Anwendungskonzept für Excel im Unternehmen, eines das die Does and Don’ts beschreibt?

Solange jeder Excel-Anwender sehr beliebig Excel-Dateien erstellen kann, solange es kein Konzept gibt, welche Techniken unbedingt und welche keinesfalls verwendet werden sollten, wir Excel immer irgendwie schuld sein. Solange Excel-Weiterbildung in Kategorien wie Excel-Basic, Advanced und Power und damit sehr beliebige, aber nicht die für ein Unternehmen notwendigen Techniken vermittelt werden, solange wird Excel ziellos gelernt und angewendet werden. Effizient und effektiv ist das nicht. Dabei fordern wir Controller doch genau das von den KollegInnen der anderen Unternehmensbereiche ein!

Lassen Sie uns über sichere, revisionstaugliche Excel-Anwendungskonzepte nachdenken und diskutieren!


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