Kommunikation von Medien

Ein Glas ist zu 50% gefüllt. Das ist ein objektiv messbarer Zustand, niemand wird das bestreiten! Die Aufgabe von Controllern ist es, den Zustand des Glases zu ermitteln (Analyse) und an Entscheider zu berichten (Reporting).

Je nach Perspektive und Stimmungslage der Entscheider wird der Report wahrgenommen mit der Aussage / Information:

  • "Das Glas ist halbleer." (Pessimistische Perspektive)
  • "Das Glas ist halbvoll." (Optimistische Perspektive)

Das, was gerade in den Medien über die aktuelle Wirtschaftslage berichtet wird, erinnert uns sehr stark daran. Zweifellos geht es vielen Unternehmen schlecht (oder nur schlechter???), zweifellos sind viele Mitarbeiter von der Arbeitslosigkeit bedroht. Nahezu täglich kann man lesen, dass sich die Deutsche Wirtschaft im schlimmsten Jahr seit den 50er Jahren befindet, die Rezession größer ist, als 1932, soziale Unruhen drohen oder Ähnliches! Die Wirtschaftsweisen (?) berichten, dass das BIP im Jahre 2009 um 6 % schrumpfen wird!

Hat sich eigentlich schon einmal jemand die Mühe gemacht, die Zahlen genauer zu betrachten? Das statistische Bundesamt veröffentlicht permanent alle wesentlichen Zahlen (zu den Zahlen). Wenn das BIP 2009 tatsächlich um 6% zurückgehen sollte, dann befinden wir uns auf dem Stand von 2006! Soziale Unruhen gab es in diesem Jahr nicht. Die Autoindustrie meldete 2006 Absatzrekorde und benötigte keine staatliche Unterstützung! Wenn Sie sich die Zahlen im Detail (Tabelle) anschauen, werden Sie feststellen, dass das BIP im 1.Quartal des Jahres (2004-2008) immer um 2% – 5% gegenüber dem 4. Quartal des Vorjahres zurückgegangen ist!

 

Die Fakten "sprechen" eine etwas andere "Sprache ", als sie durch die Medien und damit in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Die Fakten werden durch die Medien nicht verändert, wohl aber die Einstellung zu den Fakten!

Zahlreichen Printmedien haben mit Umsatzeinbrüchen (Anzeigenaufkommen!) zu kämpfen, verlieren durch WEB2.0 Kunden, was die Zukunft für die Redakteure selbst auch nicht gerade rosig erscheinen lässt. Kein Wunder, dass dieser Pessimismus der persönlichen Perspektive auf die der Gesamtwirtschaft übertragen und alles aus einer pessimistischen Grundhaltung beurteilt wird. Die Folge ist ein negatives, ja geradezu katastrophales gezeichnetes Bild der Wirtschaft durch die Wirtschaftspresse (und den Boulevard)! Die Folge bei den Entscheidern:

  • geringe Investitionsbereitschaft
  • geringe Bereitschaft zur Kreditvergabe
  • geringe Bereitschaft z.B. Aktien zu kaufen
  • geringe Bereitschaft zu konsumieren

Es ist an uns Controllern, dass das Glas im Unternehmen als "zu 50% gefüllt" betrachtet wird und nicht als "halbleer"!  Oder vielleicht als zu groß?